Die Fruchtwasserpunktion ist auch heute noch die Untersuchungsmethode der Wahl, um beim ungeborenen Chromosomenstörungen auszuschließen.

Die Fruchtwasseruntersuchung erfolgt ab der 15+0 Schwangerschaftswoche.

Ablauf der Fruchtwasserpunktion

Unter ständiger Ultraschallkontrolle werden mit einer dünnen Nadel (0,7 mm Außendurchmesser) ca. 10 ml (selten mehr) Fruchtwasser durch die mütterliche Bauchdecke aus der Fruchtblase entnommen.

Wir empfehlen den Eingriff unter Antibiotikaschutz (Azithromycin) durchzuführen. Azithromycin darf während der Schwangerschaft eingenommen werden. Eine Schädigung des Feten durch das Antibiotikum ist nicht zu erwarten. Mit dieser Therapie verfolgen wir das Ziel, eine nachfolgende Infektion, die zu einer Fehlgeburt führen kann, zu minimieren.

Die Fruchtwasserpunktion dauert weniger als eine bis zwei Minute und wird von der Schwangeren nicht als schmerzhaft empfunden. Auf Wunsch ist eine Betäubung des Bauches möglich. Der winzige Stichkanal schließt sich dank des elastischen Gewebes nach dem Eingriff sofort wieder. Eine Verletzung des Kindes ist durch die ständige Ultraschallkontrolle bei dem Eingriff nahezu ausgeschlossen. Ebenfalls wird die entnommene Fruchtwassermenge im Verlauf der nächsten Stunden vollständig durch den mütterlichen Organismus ersetzt.

Risiken der Punktion

Wir führen in unserer Praxis seit mehr als 10 Jahren invasive Untersuchungen durch.

Neuere Studien weisen auf ein deutlich niedrigeres Risiko für eine Fehlgeburt hin als noch in älteren Studien ausgeführt. Das Risiko für eine Fehlgeburt liegt in unserer Praxis bei ca. 0,5% bis 0,3 %.

In seltenen Fällen gelingt keine Kultivierung der Zellen im Labor, sodass kein Ergebnis vorliegt. In diesen seltenen Fällen ist eine erneute Punktion erforderlich.

Verhaltensmaßnahmen nach der Punktion

Im Anschluss an die Fruchtwasseruntersuchung werden Sie sich mindestens eine halbe Stunde in unserer Praxis liegend ausruhen.

Wenn es zu Komplikationen kommen sollte, was sehr selten der Fall ist, treten diese in den ersten 24 Stunden nach dem Eingriff auf. Deswegen empfehlen wir den nächsten Tag möglichst ruhig zu verbringen und auf jede Art von Sport, Geschlechtsverkehr, schweres Heben oder Treppensteigen zu verzichten. Wir werden Sie nach der Punktion über die erforderlichen Verhaltensmaßnahmen ausführlich informieren. Eine Krankschreibung über mindestens drei Tage wird von uns empfohlen. Eine Woche nach der Punktion können Sie bedenkenlos wieder am Alltagsleben teilnehmen, sofern nicht andere Empfehlungen durch Ihre Ärzte angesprochen wurden.

Innerhalb der ersten Woche nach der Punktion sollte eine Kontrolluntersuchung bei Ihrem Frauenarzt erfolgen.

Im jeden Fall: Sollte nach der Punktion von Ihnen der Verlust von Blut oder Flüssigkeit aus der Scheide bemerkt werden, starke Unterbauchschmerzen oder andere Beschwerden, die Sie nicht einordnen können, auftreten, bitten wir Sie unverzüglich das Krankenhaus aufzusuchen.

Was wird aus dem Fruchtwasser analysiert?

Aus dem Fruchtwasser werden im Labor Zellen für die Chromosomenanalyse kultiviert. Sie erhalten zwei Ergebnisse.

FISH-Test, PCR-Schnelltest: Eine Aussage der häufigsten Chromosomenstörungen (Trisomie 13, 18, 21 sowie Störungen der Geschlechtschromosomen) kann bereits nach 1 bis 2 Tagen getroffen werden.

Langzeitergebnis: Nach etwa 10 bis 14 Tagen liegt das Langzeitergebnis der Chromosomenanalyse (sog. Karyotyp) vor. Des Weiteren wird im Fruchtwasser das Alpha-Fetoprotein (AFP) bestimmt. Erhöhte AFP-Werte können ein Hinweis auf einen offenen Rücken, einen Bauchwanddefekt oder andere Spaltbildungen sein.

Was kann darüber hinaus untersucht werden?

Für bestimmte Fragestellungen werden DNA-Studien, Gen-Panel-Diagnostik und molekulargenetische Untersuchungen, sogenannte MicroArray Analysen (molekulare Karyotypisierung), angeboten, die sehr kleine, submikroskopische Veränderungen (Deletionen, Duplikationen) nachweisen können und durch den Einsatz spezieller Softwareprogramme, die an den Veränderungen beteiligten Gene identifizieren. Diese Untersuchungen erfolgen nicht in der Routine und sind häufig keine Leistungen der gesetzeichen Krankenversicherung und müssen von der Schwangeren i.d.R. selbst getragen werden.

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